„Das Universum hat einen Plan“ oder, wie manche sogar sagen, „Gott hat einen Plan“, ohne überhaupt zu wissen, wer dieser Gott ist und wie Er sich selbst offenbart, ist für mich nur die halbe Miete, die sich wie die volle Miete anfühlt – bis man den echten Gott und Gottes Wort kennenlernt. Davor kann man in Gott, eine höhere Macht oder das Universum in gewisser Weise hineinprojizieren, was man möchte. Und dadurch wird es in Wirklichkeit ziemlich schwierig zu unterscheiden, was der eigene Wille ist und was tatsächlich Gottes Wille ist.
Wenn ich sage: „Das Universum / Gott hat einen Plan damit“, muss ich mich irgendwann fragen: Was macht mich da eigentlich so sicher? Rede ich das nur anderen Menschen nach dem Mund, die mir Hoffnung schenken, weil sie selbst genauso Hoffnung brauchen – und die es wiederum auch nur anderen Menschen nach dem Mund reden? Was, wenn das alles nur eine selbst erfundene Hoffnungsmasche ist, um sich das Leben ein bisschen zu versüßen? Und diese Möglichkeit plötzlich als ernsthafte Antwort stehen lassen zu müssen, fühlte sich für mich für einen kurzen Moment KOMPLETT sinnbefreit an. Also wirklich: zu 100 % sinnbefreit.
Dann ging es weiter: Wenn Gott wirklich einen Plan hat, dann zielt der ja immer auf etwas ab. Aber auf was denn in diesem spezifischen Fall? Und je mehr Learnings ich daraus ziehe und mir sage, dass etwas gut war, weil XY passiert ist, dass etwas wegen XY passiert ist und ich daraus wiederum XY gelernt habe, desto mehr fühle ich mich irgendwann, als würde ich trotzdem keinen Meter weiterkommen und als wäre dieses „Lernen“ eine unendliche Aufgabe, die mich in Wirklichkeit ab einer gewissen Tiefe in meiner Sinnfrage nirgendwo mehr weiter hinbringt – außer zeitlich gesehen immer näher zum Tod. Klar, für viele Menschen ist das Sinn genug. Aber für meine analytische Tiefe musste ich mir irgendwann eingestehen, dass da irgendetwas noch nicht passt oder fehlt.
Das kann nicht die volle Antwort sein. Also: Wenn Gott wirklich einen Plan hat, dann muss es doch eine einheitliche, übergreifende Richtung geben, in die all diese vielen einzelnen Pläne von uns allen passen – wenn man sie bis auf ihre tiefste Ebene herunterbricht. Und wenn ja: Was ist sie dann?
Ich habe angefangen, bewusst mit „Gott“ zu reden und darauf zu vertrauen, dass Er mich nun leiten wird. Ich hatte mich davor auch schon geleitet gefühlt, aber auf einmal war ich verwirrt und mir nicht mehr sicher, wohin ich eigentlich geleitet werde. Zu welchem Plan überhaupt? Denn manches tat so weh, dass ich es alleine kaum mehr ausgehalten habe. Und manches von dem, was passiert war und in bestimmten Situationen und Zusammenhängen kontinuierlich weiter passierte, konnte ich für mich irgendwann logisch einfach nicht mehr erklären. Dadurch habe ich zu Jesus gefunden.
Und das – zusammen mit vielen anderen Dingen – hat irgendwann Klick gemacht, als ich angefangen habe, mich wirklich mit Gottes Wort und Jesus zu beschäftigen. Als ich angefangen habe, Ihm wirklich zu glauben, dass Er die Wahrheit ist „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Johannes 14,6) – und dass meine eigene Wahrnehmung nicht automatisch die Wahrheit sein muss. Dass selbst dieses Konzept von der „eigenen Wahrheit“ sozusagen eine ungewollte Lüge ist. Denn unsere Wahrnehmung ist immer geprägt und verschoben – egal, wie viel wir an uns gearbeitet oder uns mit der menschlichen Psyche etc. beschäftigt haben: durch unsere Erfahrungen, durch andere Menschen und durch eine Welt voller Menschen, die genauso wenig Gott sind wie wir und Ihn vielleicht selbst gar nicht kennen.
Und so habe ich mir Zeit gegeben, das zu integrieren und wirklich zu verstehen. Ich habe langsam mein Kreuz aufgenommen und angefangen, Ihm so gut zu folgen, wie es mir zu jedem individuellen Zeitpunkt meines Weges fortschreitend möglich war und ist. Und ich habe angefangen, von Ihm Dinge heilen zu lassen, die scheinbar schon lange überfällig waren und an die ich selbst nie so rangekommen wäre – oder bei denen mir nicht einmal bewusst war, dass sie wohl wirklich noch Heilung brauchten. Und irgendwann hat sich dadurch auch meine komplette Vorstellung davon verändert, was „Gott hat einen Plan“ überhaupt bedeutet.
Denn vorher war dieser Satz für mich sehr auf mein eigenes Leben bezogen: Mein Weg. Meine Learnings. Meine Entwicklung. Meine Bestimmung. Wenn etwas nicht funktioniert hat, dann hatte Gott eben etwas Besseres für mich. Dass es auch dann besser für mich sein konnte, wenn ich selbst manche Dinge erstmal überhaupt nicht für besser hielt, weil sie sich schlichtweg nicht besser anfühlten, war mir schon bewusst. Ich wusste, dass ich da nicht immer so viel zu melden habe und einem höheren Sinn trotzdem vertrauen darf. Nur: Bis zu welchem Punkt? Denn ich selbst habe ja auch Entscheidungen getroffen, die dazu geführt haben, dass sich manche Türen geschlossen haben. War das überhaupt immer richtig? Und kann ich dann einfach sagen, dass es so sein sollte, nur weil es jetzt so gekommen ist?
Heute glaube ich: Nein. Nur weil etwas passiert, bedeutet das nicht automatisch, dass Gott diese konkrete Entscheidung oder Handlung auch so wollte. Menschen haben einen freien Willen, treffen Entscheidungen und tragen dafür Verantwortung. Aber ich glaube gleichzeitig, dass Gott auch das, was nicht Seinem Willen entspricht, sieht und in Seinem größeren Plan trotzdem gebrauchen kann. Und ich glaube, dass Sein Wille letzten Endes über all dem steht: Wenn wir uns Ihm zuwenden, kann Er uns wieder in Seinen Willen hineinführen und selbst das gebrauchen, was vorher nicht Seinem Willen entsprochen hat – egal, an welchem Punkt unseres Lebens wir zu Ihm kommen. Immer länger habe ich mich also gefragt: Und was ist mit den anderen Menschen, die daran beteiligt sind?
Ja, sicher hat „das Leben“ auch für sie einen Plan. Aber wer hat dann eigentlich das große Ganze unter Kontrolle, wenn weder ich noch die anderen Menschen es vollständig überblicken können? Ich beeinflusse Menschen mit meinen Entscheidungen ja trotzdem. Und andere beeinflussen mich. Wie kann es also sein, dass wir irgendwann einfach raus sind aus der Verantwortung – aus Bequemlichkeit oder vielleicht sogar aus gutem Recht?
Und woher weiß ich sicher, ob das alles wirklich in eine Richtung führt, die einem guten, höheren Sinn entspricht? Woran sollte ich das überhaupt festmachen können? Denn ich will nicht am Ende meines Lebens feststellen, dass ich mich richtig doll verlaufen habe – und nun ist es zu spät. Und ja: Wenn eine Tür zuging, würde irgendwo eine andere aufgehen. Wenn etwas wehgetan hat, würde ich daraus etwas lernen. Und ich habe ja immer wieder gesehen, dass das stimmt.
Aber trotzdem stand im Mittelpunkt dieser Vorstellung – auch wenn mir das selbst gar nicht so recht war – immer noch ziemlich stark: ich. Nur … ohne die volle Verantwortung? Das fühlt sich arrogant an. Es fehlte ein Maßstab, der sich nicht an meinem „Ich“ orientierte, sondern an dem sich mein „Ich“ orientieren konnte – ganz unabhängig von anderen Menschen. Klar, das erfordert, mich selbst etwas unterzuordnen, das ich nie mit meinem bloßen Auge gesehen habe. Glaube also – nicht einfach nur das, was ich selbst sehen und zu 100% sicher wissen kann.
Aber eben: Was, wenn ich aus Versehen einem anderen Menschen wehgetan habe? Oder er oder sie mir? Wer korrigiert das, wenn ich es nicht kann? Und wer urteilt darüber, wenn ich mir selbst nie ganz sicher sein kann und nur ein Gefühl davon habe, was fair oder unfair ist? Ich kann nicht kontrollieren, was dieser Mensch daraus macht, sondern nur, was ich selbst aus den Dingen mache. Ich kann nicht kontrollieren, ob jemand anderes daraus etwas Gutes lernt oder ob er dadurch kälter wird. Ob er versteht, dass Menschen Fehler machen und dass man nicht aus jedem schmerzhaften Erlebnis heraus den eigenen Charakter verändern sollte – vor allem nicht aufgrund der Fehler anderer Menschen.
Wie sollte man all das überhaupt wirklich richtig einordnen, wenn es keinen Maßstab gibt, an dem ich mich selbst messen kann – und an dem andere sich genauso messen können? Wie kann ich wissen, ob ich selbst etwas wirklich richtig eingeordnet habe? Ohne diesen Maßstab bleibt am Ende wieder jeder bei seiner eigenen Interpretation dessen, was passiert ist. Es ist immer „mein“ Leben. „Meine“ Geschichte. „Mein“ Schmerz. Das, was Gott mit mir vorhat.
Und genau da hat sich für mich etwas Entscheidendes verändert: „Gott hat einen Plan“ ergab für mich erst wirklich vollständig logisch betrachtet Sinn, als ich verstanden habe, dass ich und meine Erfahrungen im Leben nicht das Ziel dieses Plans sind. Dass ich nicht der Mensch bin, der das volle Bild dieses Plans überhaupt haben kann. Und dass Gott selbst zwar in diese Gleichung gehört, aber gleichzeitig über ihr steht: als fixer, standhafter und sich nicht verändernder Maßstab und Richter. Nicht beliebig darin involviert und abhängig von einer eigenen, begrenzten Perspektive wie wir Menschen, sondern als derjenige, der die Situation zu 100 % und in jedem Detail kennt – denn Er hat das Spielfeld geschaffen und sieht alles, was darauf passiert. Statt also nur mich selbst und die anderen Menschen darin zu betrachten, gehört Gott übergeordnet mit in dieses Bild. Aus deiner Sicht genauso: statt nur du und die anderen Menschen. Plötzlich wurde dieser Satz viel größer – und gleichzeitig viel weniger egozentriert.
Und das, obwohl ich noch nie egozentriert denken wollte. Ich mochte das noch nie und mich hat es auch immer gestört, wenn ich es bei anderen Menschen wahrgenommen habe. Mir fehlte nur die Perspektive, in der der eine, klar erkennbare Gott tatsächlich über allem steht – nicht irgendeine undefinierte höhere Macht, in die ich selbst hineinprojizieren kann, was ich möchte, sondern der eine Gott, der sich offenbart hat und den ich durch Jesus und Sein Wort tatsächlich kennenlernen kann. Denn wenn mir diese Perspektive fehlt, bin ich am Ende genauso Teil dieses egozentrierten Denkens – auch wenn ich es eigentlich gar nicht sein will.
Und wenn Gott wirklich Gott ist und diese Welt geschaffen hat, dann kann Sein großer Plan nicht hauptsächlich daraus bestehen, dass mein individuelles Leben möglichst schön aufgeht, ich meine Bestimmung finde, meine Träume erreiche und am Ende auf eine perfekte Lebensgeschichte zurückblicken kann – was auch immer das überhaupt sein soll. Dann muss mein Leben Teil von etwas Größerem sein. Nicht mit einem Purpose, den ich mir selbst aussuche, zusammensuche oder meinem Leben im Nachhinein zuschreibe, sondern mit dem, den Er mir gegeben hat.
Und genau dafür hat mir die Bibel plötzlich einen Rahmen gegeben. Denn sie hat mir nicht einfach nur einen weiteren „Plan“ angeboten, an den ich jetzt eben glauben konnte. Sie hat mir zum ersten Mal einen übergeordneten Anfang, einen festen Maßstab, ein grundlegendes Problem und ein Ziel gezeigt, in das sich ALL diese einzelnen menschlichen Geschichten überhaupt einordnen ließen. Plötzlich ging es nicht mehr nur darum, was in meinem Leben passiert und welchen Sinn ich persönlich darin erkennen kann, sondern darum, woher wir kommen, was hier eigentlich passiert, woran wir Gut und Böse, richtig und falsch einordnen können und worauf das Ganze am Ende hinausläuft. Und genau in diesem größeren Bild konnte ich auf einmal auch mein eigenes Leben einordnen. Am Ende des Tages gibt es spirituell gesehen zwei Königreiche auf dieser Erde – und ich finde, dass man sie auch in unserer sichtbaren Realität immer stärker und bewusster wahrnehmen kann: das Reich Gottes und das Reich des Teufels. Dabei meine ich nicht zwei gleich mächtige Gegenspieler. Der Teufel steht nicht auf einer Ebene mit Gott und ist Ihm nicht ebenbürtig. Doch sein Einfluss bekommt auch durch unseren freien Willen Raum – den wir oft für genau die Dinge einsetzen, von denen wir denken, sie würden Freiheit bedeuten, obwohl sie uns in Wirklichkeit immer weiter von dem entfernen können, was echte Freiheit überhaupt ist. Süchte, ungezügelte Lust oder das ständige Streben nach immer mehr und immer extremeren Erfahrungen können sich beispielsweise nach Freiheit anfühlen und uns gleichzeitig immer abhängiger machen.
Und Jesus, der vollkommen Gott und vollkommen Mensch ist, ist aus Liebe für uns und für unsere Sünden – die wir alle haben, gemessen an Gottes vollkommener Heiligkeit und Reinheit – am Kreuz gestorben, damit durch Ihn unsere Verbindung mit Gott wiederhergestellt werden kann, wenn wir Ihn als unseren Retter und Erlöser annehmen.
Und wenn das wahr ist, bedeutet es, dass in Wirklichkeit vieles von dem, was in und mit unserem Leben passiert, weniger nur mit uns zu tun hat, als wir vielleicht denken. Es steht in einem viel größeren Zusammenhang mit Gottes Heilsplan für diese Erde. Und damit hat für mich plötzlich auch die Frage nach dem Ziel einen Platz bekommen. Es geht nicht einfach darum, dass ich immer weiter lerne, mich entwickle, Erfahrungen sammle, falle, wieder aufstehe, noch etwas lerne und irgendwann sterbe.
Es gibt eine übergeordnete Richtung. Und mein Leben bekommt für mich nicht dadurch Bedeutung, dass mein Leben selbst das große Ziel ist, sondern dadurch, dass es Teil von etwas Größerem ist. Wir alle sind Menschen, die darin eine wichtige Rolle spielen – und damit spielen auch unsere Entscheidungen und die Entscheidungen, die daraus folgen, eine Rolle für den Lauf dieser Welt.
Denn jede Handlung bringt Konsequenzen mit sich. Egal, ob sie sofort sichtbar oder spürbar werden, ob sie sich über Jahre aufbauen oder ob wir manche ihrer Konsequenzen vielleicht nicht einmal mehr in diesem Leben sehen, sondern erst dann, wenn wir nach dem Tod vor Gott stehen. Deshalb ergibt „Gott hat einen Plan“ für mich heute einen noch viel größeren Sinn und hat gleichzeitig eine viel tiefere Bedeutung bekommen. Nicht, weil ich aufgehört habe zu glauben, dass Gott einen Plan für mein Leben hat. Ganz im Gegenteil. Der Satz hat für mich erst vollständig Sinn ergeben, als ich angefangen habe zu verstehen, wer dieser Gott überhaupt ist. Wer den Plan hat. Nach welchem Maßstab Er handelt. Worauf Sein Plan hinausläuft. Und wo ich selbst darin stehe.
Denn ohne Jesus blieb für mich am Ende immer die Frage offen: Wer plant hier eigentlich – und woher weiß ich, dass das, was ich selbst in mein Leben hineininterpretiere, wirklich von Gott kommt? Mit Jesus und Gottes Wort wurde aus einer undefinierten Hoffnung für mich plötzlich etwas, das einen konkreten Rahmen hatte. „God has a plan“ wurde dadurch nicht kleiner. Es wurde viel größer. Paradoxerweise geht es dabei jetzt aber viel weniger um den Plan für mein eigenes Leben. Sondern darum, dass ich glaube, dass Gott einen Plan hat, der weit über mich hinausgeht – und dass mein Leben darin trotzdem oder sogar genau deshalb eine ganz wichtige Bedeutung hat.
Es geht um Gottes größeren Plan für diese Welt. Um die Menschen in meinem Umfeld im Jetzt. Um die Auswirkungen meiner Entscheidungen. Und um die Generationen, die vielleicht irgendwann noch nach uns auf dieser Erde leben werden.
Und wenn nicht? Wenn wir es als Menschheit mit dieser Erde gar nicht mehr so lange schaffen? Dann möchte ich trotzdem am Ende meines Lebens sagen können, dass ich versucht habe, mein Leben an Gott auszurichten und das ernst zu nehmen, was Er mir gezeigt hat – nicht weil ich mir damit meine Erlösung verdienen könnte, sondern weil ich sie mir eben nicht verdienen kann und Jesus genau deshalb brauche. Und ich möchte mich auf das vorbereiten, was nach dem Tod kommt – anstatt mein Leben so zu führen, als würde danach einfach nichts mehr passieren.
Alles Liebe,
Lena :)
— Lena
NÄCHSTER GEDANKE
Ich wollte niemandem etwas schuldig sein – weil ich frei bleiben wollte
Wie mich meine Angst vor unsichtbaren Schulden bis zu Jesus begleitete – und was die Gnade in mir verändert hat.