Die „Bucketlist“ – egal ob im Kopf oder tatsächlich aufgeschrieben – hat noch offene Punkte. Punkte, die teils nur schwer oder gar nicht mit gewissen Lebenssituationen vereinbar sind. Lebenssituationen, von denen man irgendwann mal das Gefühl hatte, dass sie gut sind und am besten so bleiben sollten. Doch sollten sie wirklich bleiben, wenn dafür die Bucketlist unerledigt bleibt und wenn sie bisher nicht so blieben, wie sie sein konnten? Ich denke, das ist eine Frage, die sich viele Menschen irgendwann in ihrem Leben stellen, wenn Gott darin noch nicht bewusst vorkommt. Die Welt rät uns: Folge deinen eigenen Zielen. Folge deinen Träumen. Lebe, bevor es zu spät ist.
Doch bis wohin ist das gesund – und ab wann wird es falsch? Dass ich mir diese Frage jemals wirklich beantworten könnte, hätte ich mir vor Jesus in meinem Leben nicht vorstellen können. Das ist schließlich eigene Ermessenssache, stimmt’s? Well, nein. Ist es nicht. Zumindest nicht grenzenlos. Denn „Folge deinen Träumen“ ist nur so lange ein guter Rat, wie wir nicht davon ausgehen, dass allein die Tatsache, dass wir etwas wollen, es automatisch gut für uns und unser Umfeld macht. Spätestens dort, wo ein Traum uns in Sünde führt, kann er kein Traum sein, der uns langfristig dorthin bringt, wo wir wirklich gut aufgehoben sind. Das ist heftig zu hören. Denn es bedeutet, die eigenen Träume zu hinterfragen & sie an einem Maßstab zu messen, der außerhalb unser eigenen Deutungshoheit liegt. Und daraufhin manche davon einfach von der Bucketlist zu streichen. Dafür wiederum muss man erst einmal verstehen, was Sünde überhaupt ist und warum Gott bestimmte Dinge Sünde nennt. Und dafür muss man Jesus kennenlernen. Auf meiner Bucketlist standen zum Beispiel lange ein paar Dinge, die automatisch in Sünde geführt hätten – beziehungsweise es zum Teil sogar auch haben. Mir war das nicht einmal bewusst. Denn auch wenn es nicht vernünftig schien, dachte ich, es sei richtig und wichtig für mein Leben. Schließlich war es doch in meinem Kopf? Doch genau diese „Träume“ oder „Erfahrungen, die man noch machen muss, bevor es zu spät ist“, sind es nicht wert, sich von ihnen treiben zu lassen. Viel mehr wert ist es, Gott sie einem austreiben zu lassen.
Wenn Gott einem beispielsweise das Geschenk gemacht hat, einen Menschen an die Seite zu stellen, mit dem man schon durch dick und dünn gehen konnte, dann kann auf der eigenen Bucketlist trotzdem noch eine Erfahrung stehen, die mit diesem Geschenk ganz klar nicht vereinbar ist. Und plötzlich wird in unserem Kopf das Geschenk zum Problem. Nicht der Wunsch, der das Geschenk gefährdet. Das Geschenk. Denn die Schleife des Geschenks ist mittlerweile ohnehin weg. Und wegen ihm kann diese andere Erfahrung nicht gemacht werden. Dass einige genau dieser Erfahrungungen sowieso Sünde sind, mag man im ersten Moment vielleicht gar nicht glauben. „Wir leben schließlich mittlerweile im Jahr 2026.“ Ja. Nur Gott ist derselbe – unabhängig davon, ob wir 1020 oder 2026 schreiben. Warum zweifeln wir also lieber an dem, was Gott uns als gut zeigt, als an uns selbst? An Menschen, die es vielleicht schlicht nicht besser wussten und jetzt kaum glauben können, dass etwas, das unserer modernen Gesellschaft widerspricht, trotzdem noch wahr sein könnte?
Und dann beginnt etwas ziemlich Unbequemes. Das Alte war und ist (noch) nicht richtig. Das Neue wäre vielleicht sogar noch falscher. Und plötzlich steht man da und merkt, wie sich in einem alles umbaut. Die Bucketlist verliert Punkte. Eigene Pläne lösen sich auf. Verbindungen rüttelt es auf. Dinge gehen "verloren" und Gewohntes klappt nicht mehr so wie man damit bisher immer irgendwie durchgekommen ist. Und an ihrer Stelle entsteht erst einmal: Leere. Ein Zustand, der sich unglaublich falsch anfühlen kann. Fast verboten. Ein Zustand, der einen schuldig fühlen lässt - schuldig, dass man versagt hat. Und diese Leere möchte man sofort wieder bearbeiten. Einen neuen Plan machen. Neue Ziele setzen. Eine neue Identität bauen. Eine neue Bucketlist schreiben. Doch irgendwie.. hat das nicht mehr die Wirkung, die es einmal hatte.
Und ich glaube, genau hierin liegt eine wichtige Entscheidung zwischen zwei Optionen, die man irgendwann in seinem Leben treffen muss. Eine Entscheidung sie immer weiter selbst zu füllen und zu gestalten, oder sein Kreuz auf sich zu nehmen und sie einmal nicht mehr selbst zu füllen. Nicht sofort wieder selbst zu entscheiden, wer man werden, was man erleben und wohin das eigene Leben führen soll. Sondern sich bearbeiten zu lassen. Gott kennenzulernen. Ihm glauben zu lernen. Immer mehr zu verstehen, was sein Plan für uns ist – und was er in uns verändern und bewegen möchte.
Bis wir immer mehr seinem Wesen entsprechen. Bis Dinge, die wir früher unbedingt erleben wollten, plötzlich ihren Reiz verlieren und man sie aus einer ganz anderen Perspektive betrachten kann. Aus einer, die sich so richtig anfühlt. Nicht nur, weil Gott uns aus Liebe und zu unserem eigenen Schutz davor warnt, sondern weil wir anfangen zu verstehen, warum wir sie gar nicht mehr brauchen und warum genau dieser Schutz so gut und wichtig ist. Ich glaube, Freiheit besteht gar nicht darin, irgendwann jeden Punkt auf unserer Bucketlist abhaken zu können. Viel größere Freiheit liegt darin, irgendwann nicht mehr jeden davon abhaken zu wollen. Und während dieses Umbaus realisiert man immer mehr, wie gut seine Pläne für uns sind. Danke, Gott.
— Lena
NÄCHSTER GEDANKE
Zu solchen Dingen wollte ich mich nicht mehr äußern und doch wird es immer relevanter.
Ich hoffe der Text findet dich zur richtigen Zeit.