GOTT · MENSCH

Ich glaube, dass alles erklärbar ist

Die Grenzen unseres Verstehens sind nicht die Grenzen dessen, was verstanden werden kann.

20. August 2026 · 5 Min. Lesezeit

Warum akzeptieren wir „Das kann man nicht erklären“ als Antwort, nur weil wir selbst die Erklärung nicht kennen – und was verändert sich, wenn wir davon ausgehen, dass es für Gott nichts Unerklärliches gibt?

Auch ich antworte in Gesprächen mit anderen immer wieder mal: „Ja, das ist unerklärbar.“ Wobei ich gestehen muss, dass ich das eher sage, weil ich müde davon bin, zu erklären, warum ich nicht glaube, dass es unerklärbar ist.

Und in manchen Fällen bekomme ich auch eine mögliche Erklärung in den Kopf. Aber bevor ich mir nicht wirklich sicher bin, dass sie von Gott kommt (und nicht von meiner Unfähigkeit, Unsicherheit in Form einer fehlenden Erklärung auszuhalten), sage ich davon nichts.

Ich glaube nämlich in Wirklichkeit: Es ist sehr wohl erklärbar und auch sehr explizit. Ich glaube nur nicht, dass wir Menschen die Fähigkeit dazu haben, alles zu erklären.

Selbst wenn wir mit ihm gehen, können wir manches nicht erklären.

Ich habe es letztens erst zu einer Bekannten gesagt: Ich bin ein Mensch, der für alles eine Erklärung braucht – mir reicht aber auch die Erklärung in Gottes Wort, dass manches nicht unseres ist zu erklären, sondern Seines.

„Was verborgen ist, steht beim HERRN, unserem Gott; was aber offenbart ist, gilt uns und unseren Kindern für immer, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun.“ (5. Mose 29,28)

Denn um alles erklären zu können, müssten wir die Fähigkeit haben, die komplette Sicht Gottes einzunehmen.

Und das kann nur Gott selbst.

Und ich glaube auch, dass wir Menschen dadurch vieles fehlerklären – gerade weil wir so gerne eine klare Ursache für alles hätten.

„Das ist passiert, weil er oder sie etwas falsch gemacht hat.“

Dieses einfache Ursache-Wirkung-Denken hat sich für mich schon immer irgendwie unvollständig angefühlt. Da fehlt etwas.

Und dann habe ich gemerkt: Jesus selbst widerspricht genau so einer vorschnellen Erklärung.

In Johannes 9 begegnen Jesus und seine Jünger einem Mann, der von Geburt an blind ist. Und die Jünger fragen ihn sofort nach der Ursache: Wer hat gesündigt? Dieser Mann oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?

Sie suchen also genau das, wonach wir Menschen bis heute so oft suchen:

Was hat jemand falsch gemacht, damit das hier passiert ist?

Und Jesus antwortet:

„Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern.“ (Johannes 9,3)

Das bedeutet natürlich nicht, dass unsere Entscheidungen keine Konsequenzen haben. Die Bibel spricht sehr wohl davon, dass wir ernten können, was wir säen. Aber Jesus zeigt hier etwas, das ich unglaublich wichtig finde:

Wir dürfen nicht jedes Leid nehmen, rückwärts nach einem Fehler suchen und anschließend behaupten, wir hätten Gottes Erklärung dafür gefunden.

In Lukas 13 macht Jesus einen ähnlichen Punkt. Als Menschen zu ihm über Galiläer sprechen, die von Pilatus getötet wurden, fragt Jesus, ob sie glauben, diese Menschen seien größere Sünder gewesen, weil ihnen das widerfahren ist. Seine Antwort: Nein.

Dasselbe sagt er über die achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Siloah starben.

Und vielleicht liegt eines unserer größten Probleme deshalb gar nicht darin, dass wir Dinge nicht erklären können.

Vielleicht liegt es darin, dass wir sie trotzdem erklären – und unsere menschliche Erklärung anschließend mit Gottes Erklärung verwechseln.

Vielleicht sehen wir A und danach B und denken deshalb, A müsse Gottes Erklärung für B sein.

Aber wir sehen einen winzigen Ausschnitt.

Gott sieht das Ganze.

Deshalb glaube ich auch nicht mehr daran, dass Dinge grundsätzlich passieren, weil jemand etwas „falsch“ gemacht hat. Was wäre das für ein Gott?

Ja, in der Spiritualität, die mit Karma zu tun hat, wird das geglaubt. Aber das ist nur so lange leicht verständlich, wie man versucht, alles richtig zu machen und dafür „gutes Karma“ bekommt.

Doch wenn auf einmal etwas passiert, das niemandem zusteht, wird das mit dem Karma schwierig zu erklären. Zumal es für mich auch nicht fair wäre, in diesem Leben etwas ausbaden zu müssen, das aus einem angeblichen anderen Leben käme – was kann man heute dafür?

Falls du das Gefühl hast, etwas aus einem vergangenen Leben mit dir herumzutragen, empfehle ich dir, dich damit an Jesus zu wenden und für Heilung von dem zu beten, was tatsächlich hinter diesem Gefühl liegt. Denn Gott kennt deine ganze Geschichte.

Und Gott ist fair.

Die Welt nicht, ja. Gott schon.

Wir alle machen Dinge falsch, und Gottes Gnade und Liebe sind viel zu groß, als dass jedes Leid einfach als direkte Bestrafung für unsere Fehler verstanden werden könnte.

Ich glaube schon, dass unser Handeln Konsequenzen haben kann und dass Gott eingreift, zurechtweist und richtet. Aber ich glaube nicht, dass wir deshalb bei einem konkreten Ereignis einfach behaupten können:

„Das ist dir passiert, weil du das getan hast.“

Denn genau dann würden wir wieder so tun, als hätten wir Gottes komplette Perspektive.

Und die haben wir nicht.

Selbst wenn wir nicht verstehen, warum etwas geschieht, können wir uns an ihn wenden. Und er empfängt uns mit offenen, liebevollen Armen.

Wenn wir anfangen, davon auszugehen, dass alles eine Erklärung hat, fangen wir auch an, so zu leben, als wäre nichts unwichtig.

Ist es auch nicht.

Alles ist wichtig.

Nicht so, dass wir es zwanghaft steuern müssten, sondern einfach so, dass wir wissen:

Unser Leben ist wichtig.

Jeder Moment ist wichtig.

Egal, ob er produktiv, traurig, glücklich, leer, nicht so produktiv, voller Motivation oder auch mal das Gegenteil ist.

Es hat eine Erklärung, warum es uns gut geht. Und es hat eine, warum es uns nicht so gut geht.

Manches können wir herausfinden. Manches hat Gott uns offenbart. Und manches weiß nur Gott.

Vielleicht müssen wir also gar nicht alles erklären können, um daran zu glauben, dass alles erklärbar ist.

Vielleicht müssen wir nur verstehen, dass „Ich weiß es nicht“ nicht dasselbe bedeutet wie „Es gibt keine Erklärung.“

Denn die Grenze unseres Verstehens ist nicht die Grenze dessen, was erklärbar ist.

Manches wissen wir.

Manches können wir herausfinden.

Manches hat Gott (schon) offenbart. Manches kommt noch.

Und manches.. ja manches bleibt verborgen. Denn selbst jegliche Erklärung, die man findet, befriedigt einen nie langfristig und zu 100%. Das Vertrauen auf Jesus jedoch tut das.

Aber „verborgen“ bedeutet nicht „unerklärlich“.

Und eines ist sicher: Ich darf darauf vertrauen, dass Gott mich auch durch das begleitet, dessen Sinn ich heute noch nicht verstehen kann.

Seine Liebe lässt uns nicht los – auch wenn wir sie zu manchen Zeiten weniger und zu anderen mehr fühlen.

— Lena

Wenn dich das zum Nachdenken gebracht hat, schick es jemandem, den du liebst.

NÄCHSTER GEDANKE

Du musst in die Zukunft denken können, um zu verstehen, warum es so wichtig ist, das Jetzt bewusst zu leben.

Über Vergangenheit, Gegenwart & Zukunft und die Erinnerung, dass das hier schon die Story ist.

GEDANKEN DAZU

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